War das eine schöne Nacht auf der Couch von Martin und Nicole. Kurzeitig bildete ich mir ein, die mutierten Bud Spencer Mücken zu hören. Nein, ein Insektenschutz vor dem Fenster verhinderte das. Ausgeschlafen, gefrühstückt & geduscht (was für ein Glück) konnte der Tag voller Erwartung Richtung Hiddensee starten. Und da lag noch eine Tüte, also nicht solch eine Tüte.. Sondern eine Plastiktüte auf meinem Fahrrad. Die liebenswerte Ruth war wohl der Meinung ich würde verhungern und packte mir ihren halben Hausstand ein. Vielleicht wirkte ich gestern auch beim Filmen ihrer Geschichte so abgemagert 😉, dass sie sich einfach um mich sorgte.

Auf den Kahn eingestiegen machte ich mich gleich an die Arbeit, um meine Überfahrt zu verdienen und malte Nicole und Martin ein Pastellbild. Viele interessierte Gäste schauten mir über die Schulter, bis die Kellnerin mich ansprach „könntest du mir bitte ein Bild malen“? Logo, so lange es keine Menschen oder Mohn ist… Sie zeigte mir ein Bild mit ihrem Mann darauf, stehend im Mohnfeld. 🙈Warum sind die Menschen so dem Mohn verfallen? Ist es das rot, die Leichtigkeit und Verletzlichkeit oder der enthaltene Saft, das Opium. Egal, dann soll es so sein und ich malte meine 3487te Mohnblüte. Martin kam auf die grandiose Idee, statt der Menschen zwei große Mohnblüten im Vordergrund zu malen… Puh.. Glück gehabt 🍀😅

Auf Hiddensee angekommen staunte ich über die vielfältige Vegetation und die vielfältigen Menschen. Für einen Maler wirklich ein kleines Paradies, Küstenlandschaften, kleine hügelige Landschaften mit knorrigen Kiefern und Büschen besetzt und viele Blüten und Pflanzen an den endlosen Pfaden. Malen jedoch sollten die Künstler in der Nebensaison, wenn nicht überall kleine bunte Gartenzwerge ins Bild laufen. Man, sind hier Menschenmassen auf der 17 qm großen Insel. Auf ca. 1000 Einwohner kommen 4000 Betten und unzählige Tagesgäste, die im 30 Minutentakt an Land gesetzt und irgendwie vergessen werden, wieder abzuholen.

Der Leuchturm wirkt auch sehr romantisch, wenn man die 400  Gartenzwerge wegpixelt. Und so wie die Gartenzwerge wirken auch die Menschen. Es gibt liebenswerte, glücklich drein schauende Zwerge und boshaftige, resegnierte Zwerge. Die sollten besser auf Arbeit bleiben und den Kollegen in die Suppe spucken. Mein Gott, ihr habt Urlaub! 😲Es zwingt euch keiner zu diesem Ausflug. Oder ist es die Gesellschaft, die immer weniger Glück empfindet. Wenn Glück ansteckend ist, dann ist es Unglück auf jeden Fall. Also haltet Abstand zu grimmigen Zwergen. Oder ist es der besagte Abstand zu anderen Menschen, der Glück fördert..😇🤓

Ich kann voll und ganz die Einheimischen verstehen, wenn im Oktober wieder Ruhe einkehrt. Somit konnte ich auch verstehen, daß ich nirgends ein Schlafplatz bekam. Ich klopfte an Häusern, fragte in Cafés und Shops nach. Keine Chance, selbst Plätze in den Ställen waren angeblich besetzt. 🤔🦍🐩🦓 Es war nun soweit gekommen, dass ich Leute auf der Straße ansprach und traf auf Juliane Tief, die mir zwar kein Schlafplatz empfehlen konnte, aber im späteren Verlauf des Tages für einen Glücksmoment sorgte. 🍀

Nach vielen weiteren Niederlagen machte ich mich in Kloster auf dem Weg zur Kirche ✝. Vielleicht hatte der Pastor vor Ort eine Möglichkeit mich unterzubringen. Der war nur gerade an der Orgel und haute in die Tasten. 🎶🎹 Ich setzte mich brav in die Kirche und lauschte den Klängen und mir fiel auf, dass ich lange, zumindest bewusst, keine Musik gehört hat. Anfangs freudig, machte mich die Musik jede Minute ein Stück kleiner. Aah, so lehrt man Ehrfurcht in der Kirche. Ich musste da raus.. Und setzte mich auf die Wiese vor der Kirche. Die Klänge drangen dennoch gedämpft in mein Ohr und mit jeden Schlag in die Taste drückte mich der Klang in die Tiefe. Ich ließ mich rückwärts in die Wiese nieder und schaute langsam am Eingang die Kirche herauf. Und da wurde es mir klar. Ich sah das Kreuz auf dem Spitzdach und die düsteren Wolken dahinter. Auf keinen Fall darf ich hier liegen bleiben, sonst wird der Pastor mich nicht unterbringen, sondern runterbringen. Auf keinen Fall wollte ich hier begraben sein. Nicht hier und nicht jetzt. Ich raffte mich ganz schnell auf, musste weg und runter von der Insel. Auf dem Schiff sah ich beim Ablegen der Insel nach und mit ihr eine Traube von ca 50 Menschen. Haben die es nicht an Bord geschafft? Bevor ich in Gedankenversunken an die Titanic dachte, trällerte die Menge los. Erst dachte ich an eine Sekte, wedelnd mit bunten Fahnen, dann an Heimische, die sich jedesmal euphorisch freuten, wenn wieder ein Schiff mit Touris die Insel verließ. Aber in dem Moment, wo ich dem Chor bewusst zuhörte, verschwanden die Gedanken an das „Warum“ und ich freute mich mit ihnen. Was für ein Kontrast von Kirchenorgel zu traumhaften Gesängen. Beim Ablegen entdeckte ich Juliane mit reichlich Gepäck und einer Gitarre mit dem Aufkleber „I love Beethoven“. Schnell eilte ich ihr beim Verlassen des Schiffes wie ein Stalker hinterher. Nach einem viel zu kurzem Gespräch bestätigte sich, daß der Abschied für sie war und sie nicht Oberhaupt einer Sekte ist, sondern Lehrerin aus Berlin. Sie sagte, die Musik und der Abschied seien ihr größter Glücksmoment. (bitte melde dich, damit ich mehr erfahren kann)

So beeinflußt Musik unser Gemüt und ihr habt die freie Wahl. Man hat mal an Ratten getestet, was Klassik und Heavy Metal mit ihnen macht. Bei Metal wurden die Ratten 🐀nervöser und ihr Fell wesentlich struppiger. Also jetzt verstehe ich die langen verklebten Haare nach Open air Konzerten. 🤷‍♂️☝🏻Nicht mangels Duschwasser, sondern einfach die Musik ist daran schuld. In diesem Sinne…

Bis bald euer Glücksmaler9

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