Irgendwie fühlte ich mich in Sellin angekommen. Anne und Lina, die liebenswerten Gastgeberinnen erzählten mir von Frau Böttcher und machten mich sehr neugierig: „Frau Böttcher musst du kennenlernen, die ist so witzig und glücklich… Keiner ist glücklicher“  Mit Neugier und mir in Gedanken Frau Böttcher ausmalend ging ich zu Bett. Ja wirklich. Ich bekam einen kleinen Wohnwagen ganz für mich alleine, der im Garten, eingebettet vom Grün, Pflanzen und Blumen aller Art, stand. Von außen mit Elchaufklebern und Wappen von verschiedenen Stätten und Ländern verziert, sah man ihm seine Jahre und Erlebnisse an. Ich hoffte, dass die Spuren nicht auch innen so deutlich zu sehen sind.

Wow, beim Öffnen der Tür bot sich meinen Augen ein kleines Paradies. 5 Sterne mit einer deluxe Matratze vom feinsten. Die Matratze saugte mich förmlich ein und gab mir ein Gefühl von Schwerelosigkeit. Meine Gedanken drehten sich im Bett um Frau Böttcher und einem gewissen Sportlehrer. Was hatte der Sportlehrer mit Frau Böttcher zu tun? Hörte sich schon irgendwie versaut an. Ist Frau Böttcher so glücklig, weil der Sportlehrer akrobatisch angespornd ihr es in allen nur erdenklichen Stellungen besorgt? Ich malte mir die beiden aus. Frau Böttcher etwas bieder, hochgesteckte Haare, eine Frau mit Klasse und Ausstrahlung. Der Sportlehrer etwas jünger, durchtrainiert, mit Schnurbart und zu engen Sportsachen aus den 80ern. Naja der Rest bleibt eurer Phantasie überlassen.😊😜

Am nächsten Morgen, voller Erwartungen sie endlich  kennenzulernen, gingen wir über den Hof Richtung Elternhaus. Ah da war sie… Sie sah sehr nett aus.. Und begrüßte mich herzlich..Das war also Frau Böttcher.

Anne zügig „Nein, das ist nicht Frau Böttcher, dass ist meine Mutter.“ Sie zeigte in den Garten zwischen die Blumen🥀🌻. „Da ist Frau Böttcher.“

Meine Phantasiewelt brach schlagartig zusammen. Frau Böttcher war ein Huhn, ein schickes, aber dennoch ein Huhn. 🐔🙈 Und wer war bitte  jetzt der perverse Sportlehrer, der es einem Huhn… Naja ihr wisst schon.

Wie war das nochmal: Nicht interpretieren, sondern hinterfragen. OK, der Sportlehrer war ein Kater. 🐱 Ein ziemlich alter, in die Jahre gekommener Kater. Der dennoch guten Dienst für die jüngeren Kater und Katzen getan hat. Als Sportlehrer brachte er ihnen alle möglichen Disziplinen bei, wie Baumklettern, Schmetterling 🦋 Hochsprung, zick zack Hürdenlauf usw. Da gab es noch Obama, ein Hund, der zu Beginn der Amtszeit Barak Obamas geboren worden ist. Ein brauner, gut aussehender Ritchback-Mischling. Dann gab es noch Katzen, weitere Hühner (teils ohne Namen, den mussten sie sich verdienen, bevor der Fuchs 🦊 sie holt) und abends kamen die Igel frech an einem vorbei gelaufen, um die Futterreste vom Boden zu vertilgen. Es waren so unterschiedliche Tiere, die alle eins gemeinsam hatte. Sie erfahren unendliche Liebe und haben Freiräume für einen abwechslungsreichen und erlebnisreichen Tag. Jetzt verstehe ich an Anne. Frau Böttcher ist hier wirklich sehr glückig. Dies bestätigte das Huhn durch ein fröhliches gackern.

„Die einzigen Geschöpfe, die weit genug entwickelt sind, um reine Liebe auszudrücken, sind Hunde und Kleinkinder. (Johnny Depp)“  dies denke ich, zählt für alle Tiere. Das Schöne daran ist, wenn man Liebe und Glück schenkt, wird es einem mehrfach widerfahren. Und Tiere geben einem nachweislich viel Zuneigung und Glück. So zum Beispiel hat das Katzenschnurren durch das gleichmäßige brummende Geräusch eine heilende Wirkung auf Knochen und entspannt uns. Oder Hunde in Alters-oder Pflegeheimen zaubern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Die Wechselwirkungen von Tier, Mensch und Natur schafft in jedem Fall Glücksmomente. Vielleicht schenken wir einem Tier aus einem Heim ein neues zu Hause oder gehen achtsamer mit allen Tieren um. Deswegen werde ich ab heute kein Vegetarier. Dennoch werde ich mich bei meiner nächsten Bestellung beim Asiaten an Frau Böttcher erinnern, an Ihre schrumplige Frisur und Ihre Knopfaugen und mich beim Gedanken daran für ein vegetarisches Gericht entscheiden. Und wenn jeder ein bißchen kontrollierter Fleisch in kleineren Mengen zu sich nimmt, haben wir wenigsten zum Teil ein paar mehr glückliche Tiere.. Die vielleicht auch einmal das Tageslicht und ein wenig Grün erhaschen dürfen, wie es Frau Böttcher und ihren Freunden täglich ermöglicht wird.

Glückliche Grüße euer Glücksmaler

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