Der mystische Tag neigte sich dem Ende entgegen. Wir wollten noch mit dem Rad aufs Festland nach Stahlbrode übersetzen und dann passierte folgendes…. Und zwar nichts. Die Autos standen ungeduldig wartend in Schlange, bis ein Zollbeamter sich meldete.. „Hier geht nichts mehr“ Kurz zuvor hatte er mit der Weißen Flotte telefoniert, um das Fiasco, das beide Fähren ausgefallen sind, in Erfahrung zu bringen. Was für ein Glück für uns. Alle Autos wendete und verschwanden. Wir entschieden uns für eine Nacht hier sesshaft zu werden. Kaum war das Fahrrad aufgebockt, sprangen wir an einem kleinen einsamen Strand, direkt neben dem Fähranleger in die Ostsee. Wir tollten im Wasser rum und sobald ein Auto kam, um auf die Fähre zu warten, waren Lynn oder Lene bei ihnen am Fenster, um ihnen die frohe Botschaft mitzuteilen. Es sollte sich ja auch niemand dazu gesellen. 😉Anschließend sammelten wir Steine und Muscheln und Jana machte uns ein Picknick am Strand. Ein schöner Moment nur in Familie, bevor die Sonne direkt vor unsere Augen verschwand. Sie ging langsam, sehr langsam unter… Aber auch leider ist dieser Moment von Vergänglichkeit.

Am nächsten Morgen nach dem Übersetzen mit der Fähre radelte ich über Greifswald nach Freest. Greifswald, eine echt schöne Stadt, die wirklich lebt. Die wehmütigen Lieder der Kosaken konnte die Dynamik und die positive Energie der Menschen nicht schmälern. Hier verabredete ich mich mit meinen Mädels zum Mittagessen. Auf dem Markt gab es ein Fischbrötchenstand deluxe. Ich hätte nie gedacht, daß mir nach dem 200ten Fischbrötchen jemals eins wieder wirklich schmecken würde. Und nach 200 Fischen da wachsen einem schon mal Kiemen und Schuppen und die Kommunikation beschränkt sich schon mal auf ein blub blub. 🐟🐟🐟 Und seine Artgenossen verspeisen ist echt nicht fair. Aber das Fischbrötchen deluxe war jede Sünde wert. Das Brötchen frisch aufgebacken & ein ganzer Salat garnierte den selbst panierten frischen Fisch. Mega 😋 lecker. Gestärkt ging es weiter… Meine letzten Kilometer dieser Reise… Ich fuhr über alte Teerradwege, an denen man sehen konnte, wie sich die Natur ihren Raum wiedererkämpfte. Wurzeln alter Buchen sprengten tiefe Risse in die Straße und wo der Wandel der Jahreszeiten seine Spuren hinterließ, drückten sich neue Pflanzen und Blumen empor. Irgendwie hatte ich erstmalig keine Angst vor Vergänglichkeit und dem älter werden. Und wenn es unsere Kinder sind, die wie Blüten aus uns empor steigen. Wir sind Gast auf der Erde und entscheiden selber, ob wir uns lieber im Keller oder auf der Terasse aufhalten.

Es waren mal 2 Archeologen zu Besuch in unserer Galerie. Sie waren hier bei uns in der Sternberger Seenlandschaft auf der Suche nach dem Sternberger Kuchen. Wer sich jetzt das Maul schleckt..Irrtum. . Nein, das ist keine Torte, sondern ein 30 bis 60 Mio. Jahre altes Gestein. Nachdem ich mir 2 Stunden einen sehr spannenden Vortrag über die Entstehung der Erde angehört hatte, schippste einer in die Finger und sagte :“Und das ist der Lebenszyklus der Menschheit- Ein Wimpernschlag…“ und einige Menschen machen noch nicht einmal die Augen richtig auf, bevor die schon wieder zufallen.

Wie kann man schöne Momente aufhalten? Gar nicht.. Man kann sie jedoch mehren. Aber wenn man doch keine Zeit dafür hat? Dann sollte man sich nach der Ursache fragen… Wie mein Physiklehrer schon immer sagt.. Ursache =Wirkung

Und Ursache für alles, was mit uns zu tun hat, sind wir selber. Nicht die Medien, wie Amazon und Netflix, die unsere wertvolle Zeit mit endlosen Serien binden. Unseren Geist und Intuition in einer Scheinwelt aus Helden lähmen. Nein wir sind verantwortlich wenn wir „on“ drücken und unseren Geist „off“ schalten. Früher hat man sich  auf einen Film im Kino gefreut. Heute fesselt uns der Sessel mit seinen Lehnen zu endlosen Serien. Auch nicht die Werbung, die uns täglich suggeriert, noch mehr Konsum zu betreiben, um unsere größer werdenden Wohnungen und Häuser zu füllen. Nein, wir sind verantwortlich, wenn wir unsere freien Ressourcen zum sauber machen, reklamieren, umräumen, lagern, stapeln und wiederverkauf von Gegenständen  binden. Ist euch aufgefallen, daß Küchen immer größer werden. Die natürlich mit sonderbaren Haushaltsgeräten und Geschirr für jeden Anlass gefüllt werden müssen. Ein Picknick mit seiner Familie bedarf keinen Entsafter (Na, bei einigen Kindern schon 😜😊) und kein Waffeleisen. Nur Zeit und Aufmerksamkeit für den Moment. Wir laufen wie Zombies 🧟‍♂️ durch die Straßen, hektisch, gestresst genervt und geben allen die Schuld, außer uns. Und irgendwann fragen wir uns, wo ist die Zeit nur geblieben, die Kinder sind schon so groß geworden… Na einfache Antwort.. Ursache und Wirkung.. Die Zeit steckt in endlosen Serien, in belanglosen What’sApp Gruppen, in Facebook, Tinder und dem ganzen Müll.

Sorry ich bin auch einer von diesen Zombies, jedoch bereit aus meiner Gruft zu steigen.

Euer zombifighter Michael

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